Trauer und Unverständnis über die Schließung des Café Vielfalt empfinden Haupt- und Ehrenamtliche wie Geflüchtete gleichermaßen. Foto: Wehr

Café Vielfalt schließt Ende Mai – bedeutender Ort der Begegnung geht verloren

Cuxhaven. Das Café Vielfalt des Paritätischen Cuxhaven schließt Ende Mai 2025. Damit geht ein zentraler Treffpunkt für Geflüchtete, Migrant*innen und Ehrenamtliche verloren. Diese Entscheidung trifft viele Menschen hart, die den Ort in der Kirchenpauerstraße als zweite Heimat erlebt haben.

„Ich bin absolut dagegen, das Café hier ist wie eine Familie, wie ein zweites Zuhause“, sagt Zakaria Zaza. Der ehemals staatenlose Palästinenser kam 2017 selbst als Geflüchteter aus Syrien nach Cuxhaven und erhielt hier niedrigschwellige Unterstützung. Heute ist er deutscher Staatsbürger, Jobcoach und Kultursprachmittler und hilft immer wieder ehrenamtlich im Café aus. „Gerade als Muttersprachler kann ich hier für Arabischstämmige viele Fragen zur deutschen Kultur, zu Behörden und Regeln verständlich erklären.“

Auch Masumeh (Macy) Siboni, die seit Juni 2024 als hauptamtliche Kraft im Café arbeitet, bedauert die Schließung. Die gebürtige Iranerin mit ukrainischer Staatsbürgerschaft spricht neben Farsi, Englisch und Französisch auch Ukrainisch, etwas Russisch und Deutsch – eine wertvolle Ressource für viele, die ohne Sprachkenntnisse nach Cuxhaven kommen. „Ich konnte hier selbst Deutsch lernen und mich wohlfühlen. Das wollte ich anderen weitergeben.“ Seit Mai 2022 engagiert sich Irmgard (Irmi) Klatz-Alvis ehrenamtlich und leitet die beliebten Deutsch-Treffs für Menschen, die noch keine offiziellen Deutschkurse erhalten, und Stammtische. „Hier kommen Leute zusammen, die sich sonst nie getroffen hätten“, sagt sie. Gemeinsam mit anderen organisierte sie Ausflüge, Koch- und Back-Treffen, unterstützte in Alltagsbelangen und organisierte vielfältige Hilfen.

Bedeutung für Geflüchtete und Integration

Das Café Vielfalt ist seit 2015 ein einzigartiger Ort der Begegnung – ein Ort der Integration, zum Abbau von Sprachbarrieren und zum Knüpfen von Kontakten. Von Anfang an waren hier viele Ehrenamtliche aktiv und kümmerten sich um hunderte Geflüchtete. Die im Haus integrierte Migrationsberatung „Neustart“ nutzte die Synergieeffekte: „Die Angebote des Café Vielfalt haben auch einen starken präventiven Charakter, gerade für Menschen mit Traumatisierung; das geht weit über die reine Beratung hinaus und kann rein zeitlich gar nicht aufgefangen werden“, so Carola Jordan. Viele Geflüchtete fanden hier nicht nur Unterstützung bei Anträgen und Behörden, sondern auch eine Gemeinschaft; wichtig vorwiegend für diejenigen, die teils jahrelang alleine, getrennt von ihren Familien, unterwegs sind. „Ausländer haben viele Probleme und hier bekommen sie Lösungen“, sagt Parvaz Junesni aus dem Iran. Auch der politische Flüchtling „Leo“ aus China nennt das Café als wichtigen Anlaufpunkt für rasche Integration und Arbeitshilfen.

Warum muss das Café Vielfalt schließen?

Das Café wurde ursprünglich durch die NDR-Aktion „Hand in Hand für Norddeutschland“ finanziert. Seit dem Auslaufen dieser Mittel erhielten Beihilfen des Paritätischen Landesverbandes den Betrieb aufrecht. Doch eine langfristige Co-Finanzierung durch den Landkreis oder die Stadt Cuxhaven kam nicht zustande. „Da keine und auch keine anteilige Co-Finanzierung über den Landkreis oder die Stadt realisiert werden konnte, hat der Paritätische Landesverband nun entschieden, die Kosten nicht weiter zu übernehmen“, erklärt Kai Uhlhorn, stellvertretender Geschäftsführer des Paritätischen Cuxhaven.

Wie geht es weiter?

Während das Café Vielfalt schließt, bleibt die Migrationsberatung „Neustart“ unter Leitung von Diplom-Sozialpädagogin Carola Jordan erhalten. Sie bietet weiterhin Hilfe bei Anträgen, Formularen und Integrationsfragen im gleichen Gebäude; die Finanzierung ist bis 2028 gesichert – allerdings mit jährlicher Neubeantragung. Eine mögliche Kostenbeteiligung der Stadt Cuxhaven steht noch aus, wurde aber in konstruktiven Gesprächen zumindest mündlich zugesagt.

Bildunterschrift:

In den Räumlichkeiten in der Kirchenpauerstraße haben hunderte Geflüchtete einen Anlaufpunkt, Sprachkurse und Möglichkeiten zum Austausch gefunden. Foto: Wehr

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